Wissenswertes: Pfingsten im Woid


Pfingsten – Der Kötztinger Pfingstritt

Zu Pfingsten steht Kötzting ganz im Zeichen der Pferde. Am Pfingstsamstag ist bereits der traditionelle Roßmarkt. Vornehmlich Kaltblüter und Haflinger wechseln hier ihre Besitzer. Am Sonntag stehen meist Leistungsprüfungen auf dem Programm.
Montag ist dann der Höhepunkt, wenn sich um 8 Uhr hunderte geschmückter Pferde mit ihren Reitern auf den Gelöbnisritt nach Steinbühl machen.

Der Kötztinger Pfingstritt, beinahe 600 Jahre alt, zählt zu den ältesten Brauchtumsveranstaltungen Bayerns. Er geht auf eine Legende zurück. Danach mußte im Jahre 1412 ein Geistlicher einem Sterbenden in Steinbühl die heiligen Sakramente bringen. Er hatte Angst um das Allerheiligste, denn gerade zu dieser Zeit waren die Wege sehr unsicher. Allerlei Gesindel und auch wilde Tiere trieben sich in der Gegend herum. Zwei Burschen begleiteten deshalb den Geistlichen. Sie wollten ihn vor Gefahr schützen. Der gute Ausgang war die Grundlage für das Gelöbnis, von nun an alle Jahre zu einem Dankgottesdienst nach Steinbühl zu reiten.

Bis auf den heutigen Tag zählt der Kötztinger Pfingstritt nicht zu den Touristenattraktionen. Er versteht sich als Ausdruck von Heimatverbundenheit, als friedliche Glaubensdemonstration.

Natürlich locken die prächtig geschmückten Pferde und ihre ebenfalls herausgeputzten Reiter viele Besucher an, die schon auf die Böllerschüsse warten, mit denen das Ereignis angekündigt wird. Die festliche Reiterprozession setzt sich in Bewegung und zieht zum kleinen Kirchlein von Steinbühl. Frauen sind traditionell von dieser Wallfahrt ausgeschlossen.

Die Kötztinger Pfingstritt-Ehr
An allen drei Pfingsttagen wird das Festspiel „Pfingstritt-Ehr“ aufgeführt. In anschaulichen Bildern wird dargestellt, wie der Kötztinger Pfingstritt entstand und wie sich der Gelöbnisritt durch sechs Jahrhunderte entwickelte. Man erfährt, wie er die Zeit der Säkularisation überstand, das „Tausenjährige Reich“ überdauerte und sogar nach dem 2. Weltkrieg einen Höhepunkt erlebte.

Die Kötztinger Pfingsthochzeit
Am Montag und Dienstag bewegt sich ein Burschen- und Brautzug durch die Straßen der Stadt. Die Blasmusik spielt schneidig auf, das Brautpaar der „Pfingsthochzeit“ nimmt die Huldigungen der Bürger entgegen, Blumen werden geworfen. Die Kötztinger Pfingsthochzeit ist ein interessantes gesellschaftliches Ereignis in der Bayerwald-Stadt.

Kötztinger Pfingst-Rahmenprogramm
Die vielfachen Feierlichkeiten werden durch ein großzügiges Rahmenprogramm für alle Gäste gefaßt. Da gibt es Ausstellungen, den Einzug des Festwirtes, ein Volksfest, nächtlichen Fackelzug der Burschenschaft, etc.

Quelle:http://wildes-waldgebirge.de/brauchtum.html

Pfingsten – Die Kerzenwallfahrt von Bogen

Über das kleine Dorf Holzkirchen, zwischen Passau und Vilshofen, war 1492 große Not hereingebrochen. Der Borkenkäfer vernichtete auf großen Flächen den Holzbestand, von dem die Bevölkerung lebte. Die Dorfbewohner suchten Hilfe bei der Gottesmutter auf dem Bogenberg. Sie wanderten gut 75 Kilometer zum damals schon jahrhunderte alten Marienheiligtum und gelobten, jedes Jahr dorthin zu wallfahren, wenn die Käferplage ende und sie ihre Lebensgrundlage nicht ganz verlieren. Maria hat geholfen.

Seit dieser Zeit ziehen die Holzkirchener Jahr für Jahr nach Bogen und bringen ein Wachsopfer mit: Eine 13 Meter hohe Kerze. Sie wiegt gut 50 Kilogramm. Tragen die Männer die „lange Stang“ auch während des zweitägigen Anmarsches meist auf den Schultern, ist das doch eine beachtliche Leistung. Die Orte, durch die die Wallfahrer ziehen, wissen längst, wann die Holzkirchener kommen. Sie begrüßen sie mit Glockengeläut.

Bei Vilshofen setzen die Wanderer über die Donau. Gegen Abend treffen sie in Deggendorf ein. Die Kerze kommt über Nacht in die Grabkirche, die „Kreuzleut´“, wie man die Wallfahrer achtungsvoll nennt, finden in Privatquartieren ein paar Stunden Ruhe.

Sehr früh am nächsten Morgen geht es dann donauaufwärts weiter. Gegen Mittag grüßt der Turm der Wallfahrtskirche auf dem Bogenberg bereits die Pilger. Nach etwa zwölfstündigem Marsch erreichen sie Bogen. Der ganze Ort wartet schon. Die Bewohner und ungezählte Gäste sind da, wenn die „Lange Stang“ auf dem Stadtplatz Einzug hält. Bei warmem Wetter muß sie für die letzte Etappe nochmals mit kaltem Wasser übergossen und abgekühlt werden. Dann helfen einige kräftige Männer, sie aufzurichten.

Hoch über die Häuser und Bäume schaut sie hinaus. In einem einmaligen Kraftakt wird sie nun stehend!!! den steilen Bogenberg hinaufgetragen. Getreu dem Ahnenerbe darf auf dem steilen Wallfahrtsweg zur Kirche immer nur einer Träger der schwankenden, zentnerschweren „Stang“ sein. Da müssen die Holzkirchener nochmals fest zupacken. Einer nimmt die „Stang“ etwa 50 cm über dem Boden auf, stützt sie mit ausgetrecktem Arm so weit als möglich oben ab und rennt los. Ein paar Meter, dann greifen helfende Hände ein, die schwere Last muß wieder abgesetzt werden. Der nächste packt an … Geistlichkeit, Fahnenträger, Mädchen mit einer schweren Marienstatue, Musik und viele, viele Teilnehmer folgen nun den Holzkirchenern in einer schier nicht enden wollenden Prozession auf den Berg. Gebannt richten sich aller Blicke auf die hohe, schwankende Kerze. Unter Glockengeläut erreicht sie den Friedhof, wird umgelegt und feierlich ins Kircheninnere getragen. Dort findet sie dann für zwei Jahre einen Ehrenplatz neben dem Altar. Auf der anderen Altarseite steht die Kerze vom Vorjahr, die von vor zwei Jahren wird vor Pfingsten in Stücke geteilt und als Andenken an die Pfingstwallfahrt an Pilger abgegeben.

Die Kunde sagt, daß, wenn die Kerze auf dem Weg zur Wallfahrtskirche umfällt, Krieg ins Land ziehen wird. Im letzten Jahrhundert ist das zweimal passiert, in den Jahren 1918 und 1939.

Quelle: http://wildes-waldgebirge.de/brauchtum.html

Pfingsten – Das Englmarisuchen von St. Englmar

Zu den großen Kostbarkeiten in der Schatztruhe waldlerischen Brauchtums zählt das Englmarisuchen.
Unweit von Viechtach liegt auf 850 m Seehöhe das höchste Kirchdorf des Bayerischen Waldes, Sankt Englmar. Es ist nach einem Bauern aus dem Passauer Land benannt, der im 12. Jh. als frommer Einsiedler in der Urwaldwildnis hauste. Er lebte von dem, was der Wald ihm gab, hauptsächlich von Beeren, Pilzen und Kräutern.

Viele Menschen kamen mit ihren Sorgen und Nöten zu dem Einsiedler, der oft mit Rat und Tat helfen konnte. Auch der mächtige Graf von Bogen pilgerte einmal zu ihm und holte sich beim Einsiedler Englmar Rat und Hilfe. Er war dabei so angetan von diesem Mann, daß er es fortan für seine Pflicht hielt, für das Auskommen des Einsiedlers zu sorgen.

Von Zeit zu Zeit hatte deshalb ein Knecht dem Einsiedler Lebensmittel in seine abseitige Klause zu bringen. Dem wurde der weite, beschwerliche Weg und die Schlepperei bald zuviel. Er überfiel den braven Beter und erschlug ihn. Die Leiche versteckte er unter Reisig, Schnee deckte bald alles zu. (Es gibt auch Darstellungen, in denen Englmar ob seiner Beliebtheit den Neid eines Gefährten erregte, so daß dieser ihn erschlug.)

Als die Schneemassen dem Frühling wichen und die Wege zur Klause wieder passierbar waren, fanden die Menschen die Klause verlassen. Wundersame Zeichen und lichte Gestalten führten die Pilger jedoch an eine Stelle, wo sie den Toten erblickten. Man schickte nach einem Wagen, bettete den toten Englmar darauf und führte ihn mit Zugochsen talwärts. Dort, wo die Tiere von selbst stehen blieben, beerdigten die Menschen den Einsiedler. Gläubige errichteten bald eine Kapelle. 1188 wurde der Einsiedler Englmar selig gesprochen. Heute erhebt sich anstelle der Kapelle am gleichen Fleck die Pfarrkirche von St. Englmar. Die Gebeine des Eremiten ruhen im kostbaren Reliquiar hinter dem Hochaltar.
Bis heute wahren die Waldler das Andenken an „ihren“ Seligen. Alljährlich am Pfingstmontag pflegen sie den beliebten frommen Brauch des „Englmarisuchens“. Alles ist auf den Beinen, um mitzuerleben, wie in barocker Art die im Wald versteckte Holzstatue des seligen Englmar aufgefunden und in den Ort gebracht wird. Schließlich ist er ja Dorfpatron und Gründer der Gemeinde. Stilgerecht erstehen sie alle: Der Graf von Bogen, der Abt von Windberg, Einheimische zu Fuß und auf prächtig geschmückten Pferden. Schlichtes Volk und viele Gäste finden sich zuletzt beim Hochamt in der Pfarrkirche von St. Englmar ein.

Quelle: http://wildes-waldgebirge.de/brauchtum.html

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von Weisswurst-Blog-Zwiesel Veröffentlicht in Allgemein Verschlagwortet mit ,