Vergessener Wortschatz. Heute: Schleich


Schleich

Das Farbigste im Fußball-Ländervergleich zwischen Deutschland und Portugal am Samstag waren die Fußballschuhe der Athleten. Rot, blau, pink und gülden blinkten ihre Treter auf dem Rasen, mancher Athlet wirkte, als könne er, geblendet vom Glanz seines Schuhwerks, nicht mehr gescheit laufen, passen und schießen.

Fußballschuhe sind Statussymbole. Gestylt wie Sportwägen und leicht wie Schwalbenfedern, tragen sie die Starkicker über den heiligen Rasen. Nach dem Pokalfinale in Berlin hielt FC Bayern-Stürmer Franck Ribéry seine roten Schuhe in der Hand und nahm die Gratulation von Bundespräsident Joachim Gauck strumpfsockig entgegen. So wenig Respekt war damals, als die Fußballschuhe noch Schleich hießen, undenkbar.

Erstaunlicherweise lebt dieser Begriff heute noch: „Mist, jetzt hab ich meine Schleich vergessen!“ Trotzdem findet er in keinem Lexikon Erwähnung, obwohl der Fußball bis in alle Nichtigkeiten hinein ausgeschlachtet wird. Manche führen das Wort Schleich darauf zurück, dass die Stollen einst aus Schläuchen hergestellt wurden. Der Plural von Schlauch lautet im Bairischen tatsächlich Schleich.

Der Münchner Schuhmachermeister Ernst Heinisch sagt freilich, er habe für die Fertigung der Stollen Leder statt Gummi verwendet. Nach einigen Spielen waren die Lederstollen verschlissen und wurden ersetzt. Heinisch favorisiert augenzwinkernd die Theorie, es heiße Schleich, weil die Fußballer nach Niederlagen oft mit eingezogenem Kopf dahinschleichen. In den Anfängen des Fußballs waren die Leisten der Schuhe aus Gummi gefertigt, was die Schlauchtheorie erhärtet. Erst nach dem Krieg gab es Schraubstollen, die den Deutschen im WM-Finale 1954 einen Vorteil verschafften. Die Ungarn rutschten mit ihren Leistenschuhen auf dem nassen Spielfeld in Bern aus und verloren.

Quelle: http://ak-heimatgeschichte.mitterfels-online.de/joomla/

Advertisements