Wissenswertes: Weißwurst Denkmal


München (ddp-bay). «Der Sepp würde heute weinen, wenn er könnte», klagt der Münchner Buchautor Peter M. Lill. Denn Münchens einziges Andenken an den Weißwurst-Erfinder Sepp Moser ist eine rund 50 Zentimeter hohe Holzstatue, die bis vor ein paar Jahren im «Hängeregal einer Fastfoodkneipe am Marienplatz verstaubte« und dann im Archiv der Münchner Brauerei Hacker Pschorr verschwand. «Das ist doch kein Ambiente für die Geburtsstätte der Münchner Weißwurst», findet Lill, der seit seinem Buch «Mythos Weißwurst» als Moser-Experte gilt. Zum 150. Geburtstag der Weißwurst am 22. Februar fordert er eine Statue am Viktualienmarkt.

Immerhin hat die Brauerei den hölzernen Sepp mittlerweile aus dem Archiv geholt und sich auf die Suche nach einem passenden Gasthaus gemacht. Die Wirte und Metzger in Freising sind da schon weiter. Sie haben bereits vor fünf Jahren das wohl erste und einzige Weißwurst-Denkmal der Welt aufgestellt. Mannshoch steht es vor Günter Wittmanns Wirtshaus «Zur Aktienschenke».

«Der Sockel ist ein stilisiertes Weißbierglas aus geschmiedetem Eisen. Darauf steht ein Teller mit drei Weißwürsten, einer Brezen und Senf aus einem Stück Marmor», sagt Wittmann stolz. Bei den Touristen komme das Denkmal gut an: «Die Ansichtskarten gehen bis nach Amerika.»

Warum sich die Münchner einem Moser-Denkmal verweigern, versteht Wittmann nicht. «Es ist doch eine schöne Sache, wenn man der Weißwurst huldigt», sagt er. Wittmann vermutet, dass «der rote Ude» sich dagegen sträubt.

Beim für Denkmäler zuständigen bayerischen Wissenschaftsministerium dagegen steht die Weißwurst längst auf der Tagesordnung: «Namhafte Wurstexperten beschäftigen sich schon seit langem mit der Frage, welches die denkmalwürdigste bayerische Wurst ist», sagte ein Sprecher augenzwinkernd. Neben der Weißwurst bestünden aber auch «berechtigte Interessen anderer Spitzenwürste aus allen Landesteilen». Das Ministerium zweifelt daran, dass ein steinernes Denkmal den «knackigen und frischen» bayerischen Würsten gerecht werden könnte. Zudem drohe ein «heftiger Streit» im Kabinett, welches Ministerium «für die Aufstellung eines Wurstdenkmals» zuständig sei.

Auch eine Sprecherin des Münchner Kulturreferats erteilt einem Münchner Weißwurst-Denkmal eine Absage. Die Beweislage sei unklar. Bis jetzt habe noch niemand belegen können, dass die Wurst tatsächlich in München vom «Moser Sepp» erfunden wurde. Ohne Beweise kein Denkmal.

Ein Fall für den Direktor des Münchner Stadtmuseums, Richard Bauer: Er fand im Archiv Meldeunterlagen, die belegen, dass Moser am 28. November 1821 als Wirtssohn in München geboren wurde. Er machte eine Metzgerlehre und pachtete 1857 tatsächlich das Gasthaus »Zum Ewigen Licht«. 1866 gab er die Wirtschaft wieder auf und starb am 5. Oktober 1872.

Ob Moser die Weißwurst erfunden hat, konnte Bauer nicht beweisen, »da im Fasching 1857 kein Stadtchronist neben seinem Wurstkessel stand und auch kein Patent auf seinen Namen angemeldet wurde«. Einen Hinweis fand er aber doch. 1879 warb das Gasthaus »Zum Ewigen Licht« als einzige Münchner Wirtschaft in einer Anzeige mit »täglich frischem Bock nebst selbstgemachten Bock-, Weiß- und Schweinswürsten”. Der Sepp ist also noch im Rennen.

Laut Lill spielt es letztendlich auch keine Rolle, ob Moser die Weißwurst wirklich erfunden hat. Ein Denkmal habe er schon allein deswegen verdient, weil die Legende seines Geistesblitzes die Weißwurst so eng mit München verknüpfte. Diese Legende besagt, dass Moser am Faschingssonntag des Jahres 1857 die Schafssaitlinge für seine Kalbsbratwürste ausgegangen seien. Weil seine Gäste aber nach Würsten riefen, füllte er das Kalbsbrät kurzerhand in feine Schweinedärme. Und weil er Angst hatte, dass die dünne Haut beim Braten platzen könnte, warf er sie zum Abbrühen ins heiße Wasser. Die Gäste waren begeistert, die Münchner Weißwurst war geboren.

Quelle: http://gasthaus-zum-loewen.com/pressemeldung/

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