Wein und Weißwurst. Ein Brief aus dem Rheinland


Weißwurst und Wein – von der Unsitte, etwas anderes als Bier dazu zu trinken. Gedanken von Christoph Ernst; Mainz
Wein Mainz ArtikelbildJeder Bayer und Nichtbayer weiß: Wein und Weißwurst geht nicht. Das war so, ist so und
wird immer so sein. Kein Mensch braucht die fade, saure Brühe, wenn es um die Wurst geht.
Mit seiner leckeren Hefenote, dem süßlichwürzigen Mundgefühl und der erfrischenden
Kohlensäure bietet das Weißbier alles, was ein flüssiges Pendant zur bayrischen Leibspeise
haben muss. Punkt. Nur NichtBayern kämen je auf die Idee, zu Brezn, Weißwurscht und
Sempft etwas anderes als ein kühles Blondes zu servieren. Da jedoch die Weißwurst in
Deutschland inoffiziellen Schätzungen zu Folge zu 98% von Bayern verspeist wird, sprechen
wir von einem hypothetischen Fall. Der zum Beispiel eintritt, wenn ein NichtBayer
sich im Supermarkt in der Kühltheke vergreift und statt Wienern zuhause plötzlich verdächtig blasse
Würste, nämlich Weißwürste, in seinem Kochtopf schwimmen sieht.
Das Gebot “Nur Bier zur Weißwurst” missachtend, schenkt sich der Mann seinen Schoppen
ein und kredenzt die Würstl zu mildem, süffigem FrankenSilvaner.
Und ist verblüfft: Wie sich die verspielte Art des fränkischen Weins in teuflischem Einklang mit der sanften Würze der
Weißwurst befindet. Leckere Finesse statt Stammwürze, Wein und Weißwurst das passt
doch wunderbar? Nun, ein echter Bayer mag sehr wohl die Vorzüge eines Weines zu schätzen wissen – aber
eben nicht zur Weißwurst. So war die Aufregung verständlicherweise groß, als UrBayer und PromiKoch Alfons Schuhbeck speziell für die JubiläumsWeißwurstparty beim Stanglwirt eine ChampagnerWeißwurst
kreierte, zu der der edle französische Schaumwein dann auch gereicht wurde. Die Schickeria genoss, wie die feine Säure des Champagners das gebrühte Fleischbrät aufpeppte. Doch derartige Es(s)kapaden verbieten sich eigentlich – und das obwohl man im Kerngebiet Bayerns, in Altbayern – genauer rund um Regensburg, einst selbst Wein anbaute, den Baierwein. Der sogenannte Hierländer ist heute jedoch eher etwas
für Touristen und wird nur noch in homöopathischen Mengen rund um Regensburg hergestellt, weshalb der süffige Zechwein der Sorte Elbling, wie der Hierländer eigentlich heißt, nur noch selten zu Bayerns bestem Stück getrunken wird. Deshalb bleibt’s dabei: Finger weg vom Wein, wenn es um die Wurst mit den appetitlich marmorierten Petersilienfleckerl geht, zu der auch ein Trollinger aus dem benachbarten
Württemberg eine gute Figur machen würde – die Sache ist bierernst!

Advertisements