Von wegen regionale Herkunft: Manche Siegel versprechen zu viel.


2  IMG_7352Immer mehr Verbraucher bevorzugen Lebensmittel aus ihrer Region. Sie vertrauen auf regionale Spezialitäten und wollen mit dem Einkauf Lebensmittelproduzenten aus dem eigenen Land unterstützen und lange Transportwege vermeiden. Wenn dann noch ein Ländersiegel aus dem jeweiligen Bundesland „geprüfte Qualität“ verspricht, fühlen sich Konsumenten auf der sicheren Seite. Doch Achtung: Manche heimisch klingenden Namen und viele Siegel verheißen auf den ersten Blick mehr, als sie halten können. Sie kaufen regionale Lebensmittel? Wissen Sie auch genau wo die herkommen? Der erste Anschein kann täuschen. Oftmals bleibt die Herkunft der Lebensmittel unklar. Eigentlich sollte es ganz einfach sein: Man schaut auf die Verpackung und weiß wo die Lebensmittel herkommen. Aber ganz so einfach ist es eben nicht. Es fängt schon mit der Produktbezeichnung an. American Dressing kommt nicht aus Amerika und das ungarische Gulasch kommt nicht aus Ungarn. Auch das Wiener Würstchen kommt nicht aus Wien. Genauso wenig wie die Frankfurter aus Frankfurt oder der Hamburger aus Hamburg. So weit so gut. Das dürfte auch den meisten Verbrauchern klar sein. Es gibt aber auch Produktbezeichnungen, die auf eine eindeutig regionale Herkunft schließen lassen und eben nicht immer eindeutig sind. Die Nürnberger Rostbratwürste müssen aus Nürnberg kommen. Die Münchner Weißwurst hingegen kann in München oder aber auch in Schleswig Holstein hergestellt werden. Das Münchner Bier wiederum muss in München gebraut werden. Der Appenzeller Käse muss aus der Region Appenzell kommen. Der Gouda wiederum kann auch aus Niedersachsen kommen obgleich Gouda eine holländische Stadt ist. Der Emmentaler hingegen muss aus der Schweiz sein. Es gibt aber auch Allgäuer Emmentaler. Verwirrt?

Beispiel: Schweinefleisch, das zu Nürnberger Bratwurst verarbeitet wird, könnte genauso aus Dänemark oder den Niederlanden stammen, wie das für den Schwarzwälder Schinken. Das Siegel „Geschützte geographische Angabe“ auf der Verpackung sagt nichts weiter aus, als dass mindestens eine Stufe der Produktion im genannten Gebiet stattgefunden hat. Mit anderen Worten: Aufzucht, Mast, Schlachtung, Zerlegung, Verpackung können irgendwo geschehen, Hauptsache der „Schwarzwälder Schinken“ wurde im Schwarzwald gewürzt, durfte hier reifen und wurde hier geräuchert!

Hier noch ein paar gravierende Beispiele der Verwirrung und der (wie wir meinen) „VERARSCHE“

Vossko – „Unser Bauernhof“:
Eine Verbrauchertäuschung liegt auch hier vor. Für seine Chicken-Nuggets in Tierform wird der Hersteller Vossko von einer eigenen Zweigstelle in Lages, Brasilien, beliefert – Entfernung: circa 10.000 Kilometer! Der Name „Unser Bauernhof“ suggeriert dagegen heimische Verbundenheit mit dem Produkt. Verbraucher könnten von „Unser Bauernhof“ zumindest ein deutsches Produkt erwarten.

 Die Thüringer – „Knackwurst, gegart“:

Hier ist es auch der Markenname, der eine Herkunftsbezeichnung trägt. Das Fleisch für diese Knackwurst stammt aus Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. Diese Hauptzutat des Produkts hat demnach nichts mit der Herkunftsbezeichnung zu tun. Die LänderNRW und Baden-Württemberg grenzen noch nicht einmal an Thüringen. Von echter Regionalität kann hier keine Rede sein.

 real,- Quality – „Bayerischer Leberkäse“:

Die Supermarktkette real,- erhält ihren Leberkäse vom Fleischproduzenten Ponnath aus Bayern. Für diesen Leberkäse wird „täglich angeliefertes Frischfleisch verwendet, das zu 80 Prozent aus allen Teilen Deutschlands stammt. Darüber hinaus wird EU-weit eingekauft“, so steht es auf der Internetseite von Ponnath. Laut Bundesverband der Regionalbewegung stammen die restlichen 20 Prozent aus Belgien und Holland. Dass auf der Verpackung des Leberkäses trotzdem ein Siegel mit der Aufschrift „Original Bayerisch“ steht, ist für Yvonne unverständlich.

 Halberstädter Würstchen – „10 Maxxi Würstchen“:

Halberstadt liegt in Sachsen-Anhalt. Dort werden die Würstchen auf traditionelle Weise über einem Kamin geräuchert. Das Fleisch für die Würstchen sei „ausschließlich europäisches Schweinefleisch“, erklärt der Hersteller schriftlich. Zudem heißt es: „Das Rindfleisch kommt ebenfalls aus Europa. In Einzelfällen auch aus Argentinien und Australien.“

 Zimmermann – „8 knackige Bayern“:

Dieser bayerische Würstchenhersteller wird aus ganz Deutschland beliefert und betont zudem, dass die Lieferanten nur auf deutsches Fleisch zurückgreifen. Das Produkt könnte demnach auch „8 knackige Deutsche“ heißen, findet Yvonne.

 Zum Dorfkrug – „Sylter Salatfrische“:

Einfach, aber wahr: Die Zutaten dieses Produktes stammen allesamt nicht von der Insel Sylt, geschweige denn aus der unmittelbaren Umgebung. Noch nicht einmal die Herstellung findet auf Sylt statt. Auf der Verpackung ist Neu Wulmstdorf als Produktionsstätte angegeben. Das liegt bei Hamburg, etwa 250 Kilometer von der Insel entfernt. Der Hersteller schreibt hierzu in einer schriftlichen Stellungnahme: „Bei unserer ‚Sylter Salatfrische’ handelt es sich ausdrücklich um eine fantasievolle Wortkombination. Mit dieser Namensgebung möchten wir keinesfalls einen geografischen Zusammenhang zum Produktionsstandort oder der Rezepturentwicklung herstellen.“ Davon dürften die meisten Verbraucher beim Kauf dieses Produktes allerdings ausgehen.

 Zentis – „Aachener Pflümli“:

Der Hersteller dieses Pflaumenmuses bezieht sich in der Ortsangabe Aachen auf seine Produktionsstätte. Die Pflaumen stammen allerdings aus Serbien und Ungarn, „da hier kein typisches Anbaugebiet für Pflaumen ist“, wie Yvonne nach einer E-Mail-Anfrage von Zentis erfährt. Dass die Herkunft der Pflaumen mit Aachen und Umgebung überhaupt nichts zu tun hat, sollte zumindest auf der Verpackung vermerkt sein, findet die Haushaltsexpertin. Auf Anfrage erklärt sich die Süßwaren- und Konfitürenfabrik von Zentis bereit, Yvonne Willicks Rede und Antwort zu stehen. Sie macht sich sofort auf den Weg nach Aachen. Dort kann man die Kritik am Aachener Pflümli nicht nachvollziehen. Die Pflaumen kämen zwar aus Serbien und Ungarn, das Entscheidende sei aber die Rezeptur, so Betriebsleiter Claus Ernst. Die Gewürzmischung des Aachener Pflümli sei vor 40 Jahren in Aachen erfunden worden, angelehnt an diejenige der Aachener Printen (Lebkuchen). „Aber auch die meisten anderen Rezepturen sind hier erfunden worden, aber kein anderes Produkt aus dem Hause Zentis schmückt sich mit dem Namen des Herstellungsortes Aachen“, wirft Yvonne ein. Geschäftsführer Karl-Heinz Johnen hält dagegen: „Wir stellen das Aachener Pflümli ausschließlich in Aachen her, und zwar nach einem Traditionsrezept. Es gibt viele neue Produkte, die mit ihrer Herkunftsbezeichnung werben, die aber gar nicht in diesen Orten hergestellt werden. Und das ist für mich eine Verbrauchertäuschung.“ Immerhin stehe auf dem Etikett des Aachener Pflümlis auch „nach Traditionsrezept“. „Und Tradition sollte immer reichen“, so Johnen.

DESHALB, liebe Weißwurst Fan´s und Geniesser. Kauft Euere Schmankerl bei dem Metzger, wo Ihr wisst, wo die „Ware“ herkommt. Da seid Ihr immer auf der richtigen Seite. Ihr müsst Euch doch das wert sein. Oder?

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von Weisswurst-Blog-Zwiesel Veröffentlicht in Allgemein