Fast Food, To go oder Traditionell? Viel Spaß


Joe Waschl unterwegs für das Metzgerhandwerk

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Das gsogt is. Weißwurst Essen vs Weißwurstburger und Weißwurststangerl


IMG_8666Moderne Zeiten im Bayernland. Die kuriosesten Weißwurstkreationen schießen aus dem Boden, das man mit dem Schauen gar nicht mehr mitkommt. Da werden im Namen der Weißwurst Dinge kreiert und beworben das einem ganz schwindelig wird. Für was muss die geliebte  Weißwurst denn noch herhalten? Fast Food bairisch verkleidet mit wohlklingenden Namen. Sie wird ohne Haut und  schnurgerade im Dampf erhitzt und mit abenteuerlichen Sossen „veredelt. Wird als blasser Wursttaler für die Laugensemmel in Form gebracht, in eine Laugensemmel mit Salatblatt gebettet und im Pappschachterl serviert. Die Medien reißen sich darum, über diese seltsamen Erfindungen berichten zu dürfen und stimmen Lobhudeleien an. Weißwursttrittbrettfahrer, die unsere Weißwurst als Werbegag missbrauchen und so die Leute anlocken wollen. Die „Genießer“ werden gefragt, wie das Teil denn so schmeckt….Die Antworten der Fast Footer sind durchwegs positiv. Ist ja klar. Meckerer sind in solchen Fällen nicht gerne gesehen. Schlecht für den Gag und schlecht für das Geschäft Eh klar. Da stehen die Fooder im Laden, öffnen ihre Schachtel, nehmen das Teil andächtig zwischen die Finger und beißen genüsslich in den Fortschrittssnack…Die ganz eiligen würgen den Burger auf dem Gehsteig hinunter und sind zufrieden…

Ohne hier langes Getöns zu machen. Burger und Stangerl haben mit Weißwurstessen soviel gemein, wie die Antarktis mit dem Bayernland. Kurzum. Um die Weißwurst zu genießen zu können braucht es Liebe zur Weißen, Geduld, Zeit, Vorfreude und die Gabe des Genusses.

Und noch eines zur Anmerkung. Der echte Weißwurstgenießer ist so tolerant und liberal und nimmt auch die Veramerikanisierung zur Kenntnis. Jedem das Seine. Liberalitas Bavariae.  Liberalitas Bavariae steht vor allem für Weltoffenheit, Toleranz und Großherzigkeit, für das „Leben und leben lassen“. Die Weißwurst ist mittlerweile 157 Jahre alt und wird auch diesen Zwischensturm überstehen. Tradition und Geselligkeit wird auch weiterhin seinen Platz in Bayern haben. 

Hinterkirchreuth und die Satire


Herbert Pöhnl beim Weißwurstäquator Denkmal in Zwiesel

Herbert Pöhnl beim Weißwurstäquator Denkmal in Zwiesel

„Wir alle tragen Kleidung aus Fernost, hören Musik aus Amerika, fahren japanische Autos, essen beim Italiener und urlauben in Sri Lanka, wir agieren global, all of us. Heimat ist vor allem eines: Zeitvertreib.“ Mr. John muss es wissen. Er ist ein echter Tourismus-Experte. Einer, der den Menschen in Hinterkirchreuth endlich einmal zeigt, wo es langgeht in Richtung Zukunft. Herbert Pöhnl legt seine Heimat auf den Seziertisch. In seinen Geschichten und Fotos aus Hinterbayern zerlegt er den Bayerwald mit Detailversessenheit und Akkuranz – und führt so schonungslos vor Augen, wie der Begriff der Heimat zu Tode strapaziert wird. Von Politikern, von so genannten Tourismus-Experten – und ganz besonders von den „Einheimischen“ selbst.Quelle: PNP Lokalredaktion

BR Pöhnl1Wir vermuten einmal, der BR und Herbert Pöhnl haben übersehen, das das Zwiesler Weißwurstäquator Denkmal mit einem gewissen Augenzwinkern gesehen werden sollte und keine Bierernste Sache ist. Vielleicht ist die Weißwurstäquatorsache auch ein bisschen Satire? Liest man die  Publikationen von Peter M. Lill oder Hannes Burger über die Weißwurst, hätte man nicht nach Zwiesel reisen müssen, um das Weißwurstäquator Denkmal als Angriff auf die bayerische Kultur zu sehen. Aber es ist wie es ist.  Herbert Pöhnls Fotos in den Austellungen haben mit Sicherheit etwas an sich und er zeigt auch auf, was so manches nicht gerade läuft in Bayern. Vielleicht hätte er sich der Landhausmode, oder den Barockbalkonen der Alibibayerischen Prachtbauten oder dem Schuhplattln annehmen sollen. Dies sind nämlich Veränderungen, die man satirisch aufarbeiten könnte. Aber nichtsdestotrotz fühlen wir uns geehrt, im BR als Eingangs-und Schlussbild herhalten zu dürfen. Die Ausstellung und Veranstaltungen von Herbert Pöhnl verdienen jedenfalls allerhöchsten Respekt.

Hier gehts zum Beitrag de BR

 

Biergartenphilosophie


Man stellt immer erst im nachhinein fest, ob dieser Biergarten den Ansprüchen gerecht geworden ist. Aber es gibt Grundregeln. Der klassische Biergarten muss tatsächlich Kastanienbäume beinhalten. Eigentlich keine Linden. Fichten schon gar nicht. Koniferen überhaupt nicht. Es braucht die klassische Rosskastanie. Dann muss der Boden kiesbedeckt sein. Er darf nicht gepflastert sein. Das sind wirkliche, essentielle Anforderungen. Dann darf der Biergarten nicht zu voll sein, und er darf nicht zu leer sein. Es müssen Leute dasein, aber es muss ein optimaler Abstand sichergestellt sein. Ein Tisch muss frei sein, und am übernächsten dürfen zwei oder drei Leute sitzen. Ein Tisch darf voll sein, da dürfen sechs Leute sitzen, und dann ein Tisch wieder nur eine Person. Ein Lindengarten ist kein Biergarten. Früher hat man, um den Bierkeller möglichst beschattet zu halten, Kastanien genommen, weil die besonders große Blätter haben. Das ist der Grund für die Rosskastanie.

Es ist doch allein schon das Geräusch. Wenn ich das höre, wie die Bedienung da durch den Kies stapft und mir das Bier bringt, ich brauch’ die gar nicht sehen, ich hör’ das nur, dann weiß ich, jetzt wird mir was gebracht, jetzt kommt dieses frische Bier. Das ist wunderbar. Wenn ich diesen Boden versiegele, mach’ ich schon einen Fehler. Das ist schon falsch. Gewisse Grundkenntnisse werden aber auch nicht in der Schule vermittelt. Nicht einmal in einem Gymnasium wird einem jungen Menschen mehr mitgeteilt, wie ein Biergarten zu sein hat.

Nach wie vor ist einfach obligatorisch, dass man sich gewisse Dinge in den Biergarten mitnehmen kann – und ansonsten eigentlich nur Kleinigkeiten. Irgendein Stück Wurst. Da gibt’s verschiedene Möglichkeiten. Eine Pfälzer oder eine Tiroler. Oder, von mir aus, auch eine Lyoner. Der berühmte Wurstsalat. Essiggurke. Radi. Obatzt’n. Jedenfalls keine Nouvelle cuisine.

Und dann in Ruhe essen. Das ist entscheidend. Eine gewisse Ruhe. Wobei das Wort „Ruhe“ heute ja auch missverstanden wird. Ich sag’ mal: eine Gelassenheit. Das wär’s. Die Souveränität des Im-Biergarten-Befindlichen, der gar nicht auf die Uhr schauen muss. Weil’s wurscht is’, wann er heim kommt. Die innere Uhr ist sozusagen das, was er getrunken hat. Er spürt an Hand des Konsums, ob er noch bleibt oder nicht.

Es gibt dann die Leute, die, ich sag’s mal vorsichtig, vormittags, so zirka um zehn nach zehn, zwanzig nach zehn, in den Biergarten geh’n und dann ungefähr spätestens Viertel nach zwölf, halb eins langsam sich erheben. Meistens, wenn Leute von Büros kommen. Mit denen mag dieser Biergartengänger eigentlich nicht so gern zusammen sein, mit Leuten, die den Biergarten als Mittagspause, als Intervall, nur als Interimslösung seh’n.

Quelle aus: Jürgen Roth im Gespräch mit Gerhard Polt über den Biergarten, das Wetter, die Zeit und andere windige Dinge